Bedürfnisse eines Pferdes
Wenn wir über die Bedürfnisse eines Pferdes nachdenken, müssen wir eines beachten: das Pferd ist ein Steppentier, wir Menschen nicht. Wir sind "Höhlentiere".
Etwa mit Beginn der Zeit des Burgenbaus fing man an, Pferde einzustallen, weil die neuen Umstände dies damals nötig machten und die wertvollen Tiere mit innerhalb der Anwesen gehalten wurden, anstatt frei(er) in den Ebenen gehalten. Sie standen nun plötzlich auf engem Raum, ohne viel Bewegungsmöglichkeit.
Dies zog die Erfindung des "Hufschutzes" nach sich, weil die Tiere immer schlechter liefen. Hufen tut Stehen und Ammoniak, welcher durch die Mischung von Urin und Wasser entsteht, nicht gut, daher können Pferde, die in solchen Umständen leben, nicht so gesund sein, wie solche, die artgerecht gehalten werden und natürlichen Untergrund zum Laufen haben. (Mehr zu gesunden Hufen kann in der Rubrik "Hufe, Hufgesundheit" nachgelesen werden.)
Pferde sind mit ihrem ganzen Körper und Wesen darauf ausgelegt, sich zu bewegen., herumzustreifen und als Nomaden weite Strecken zurück zu legen.

Diese Lebensweise sichert die so wichtige Bewegung und Nahrungsvielfalt (wechselnde Böden = wechselndem Nahrungsangebot).
Ein Pferd in Menschenhand, meist "hinter Gittern", hat körperliche Nachteile und wird auch charakterlich geprägt. Positiv oder negativ - das hängt davon ab, wieviel wir nachdenken und inwieweit wir unsere Pferde wirklich verstehen.

Boxenhaltung bedeutet Stress, da das Pferd nicht flüchten kann. Es braucht für sein Wohlbefinden Kontakt mit anderen Pferden. Nicht nur Sichtkontakt - Sozialkontakt, es muss sie auch berühren können, denn dies setzt im Gehirn Botenstoffe frei, die wiederum das Wohlbefinden steigern.

Wenn wir Offenstallhaltung betreiben, können wir wenigstens einen Teil der natürlichen Bedürfnisse des Pferdes decken, nämlich etwas Bewegung und Gesellschaft durch Artgenossen.

Intelligente Planung hilft uns, Bewegungsanreize zu schaffen (Futter- und Wasserstelle weit voneinander entfernt gelegen, Anordnung der Weidezäune, so dass "ab und zu Umwege" entstehen...). Wir können dadurch auch die Hufe an unsere Reitabsichten und Ansprüche anpassen, zum Beispiel harte Bereiche im Auslauf schaffen (Rasengittersteine , Pflaster, Beton oder Ähnliches). Sie bewirken härtere Hornqualität und gesundes Wachstum, da sich der Huf an die Gegebenheiten anpasst, mit denen er konfrontiert wird. Außerdem können wir ihnen Zugang zu Wasser zu gewähren, denn Wasser ist existenziell wichtig für gesunde, starke Hufe, die ausreichend elastisch sein sollen.
Pferde müssen sehen. Sie sind Fluchttiere, daher ist es ihnen wichtig, zu beobachten, was um sie herum geschieht. Reizarmut ist Stress für Pferde. Wenn sie die Möglichkiet haben, ihre Umgebung zu beobachten, sind sie psychisch ausgeglichener und können auch besser mitarbeiten, da sie nicht plötzliche Reizüberflutung erfahren, sondern an wechselnde Eindrücke gewöhnt sind.

^ Die Jungpferde Akeed und Feisal staunen über die Kühe,
die gerade nebenan ausgeladen werden...
Wenn wir wollen, können wir unseren Pferden ein richtig gutes, gesundes Leben bieten, das zusätzlich auch noch finanziell sparsamer ist, als die heute übliche Pferdehaltung. Dass unsere ausgeglichenen, zufriedenen Pferde dann motivierter sind und mit Freude mitarbeiten, ist noch obendrein ein schöner Nebeneffekt.

Nahrung
Pferde brauchen Nahrungsvielfalt, denn sie gehören der Gruppe Fernwanderwild an. Das bedeutet, dass sie ihre Nahrung normalerweise „auf der Reise“ finden und dadurch ausreichend verschiedenen Nährstoffe bekommen.
Dies können wir sichern, indem wir zum Beispiel Heu aus verschiedenen Regionen kaufen und dafür sorgen, dass die Tiere 24 Stunden lang Zugang dazu haben, denn sie sind außerdem Dauerfresser. Auch im Sommer, wenn sie dann nur wenig davon futten, sollte trotzdem Heu zur Verfügung stehen. Außerdem können wir unseren Wiesen gezielt unterschiedliche Mineralstoffe zuführen, so dass auch auf engem Raum doch Unterschiede in der Bodenbeschaffenheit enstehen. (Zum Beispiel durch Ausbringen von Urgesteinsmehl, EM-Bokashi-Pellets, Lavamehl etc.)

Bei Ausritten können wir gezielt (!) zulassen, dass Pferde zwischendurch Futter aufnehmen, denn selbst auf engem Raum ist die Zusammensetzung des Bodens schon unterschiedlich. Wenn wir sie unterwegs kontrolliert grasen lassen, können sie mehr unterschiedliche Nahrung aufnehmen, als auf der Weide zur Verfügung wäre.
Wir können gezielt "Fress-Pausen" schaffen, die aber auf jeden Fall klar angegeben werden sollten, damit das Pferd weiß, dass es >jetzt< fressen darf. (Nicht aber, wenn "normal" geritten wird, denn dies führt natürlich sonst bei vielen Pferden zu ungeliebtem "den-Kopf-runter-Reißen"...)
Hafer ist ein sehr wertvolles Pferdefutter: es enthält alle für das Pferd wichtigen Eiweißketten. Sie sind auch wichtig für das Hufwachstum.

Da unsere Pferde heute nicht mehr riesige Steppen oder Prärien zum grasenden Herumziehen haben, kann Hafer eine gute und wertvolle Hilfe darstellen, immer vorausgesetzt, er ist ungequetscht, ansonsten verliert er durch Oxidation schnell einen großen Teil seiner Inhaltsstoffe.
Übrigens: Hafer macht Pferde nicht verrückt, jedenfalls gereinigter Hafer nicht. Ungereinigter Hafer, der auf Brusthöhe (also aus einer Futterkrippe) gefressen wird, hat hingegen oft staubige Bestandteile, die sich in den Zilien (also den kleinen Flimmerhärchen in den Atemwegen der Pferde) festsetzen und dort zu picken beginnen, wenn es arbeitet. Dies kann dann tatsächlich unangenehmes Verhalten verursachen.
Bei Gabe von ganzem, gereinigtem Hafer, gibt es normalerweise keine negativen Verhal-tensänderungen. Ganzer, mehrfach gereinigter Hafer ist eines der besten (und auch günstigsten) Pferdefuttermittel. Man fängt mit einer kleinen Menge and und kann sie steigern, bis man bei ca. einem bis zwei Kilo pro Tag ankommt.
Die Aufnahme des Futters sollte aus Bodenhöhe geschehen, denn darauf ist das Pferd ausgelegt. Pferde, die aus Buggelenkshöhe ihr Futter aufnehmen, verschlucken sich leichter und nutzen ihre Zähne falsch ab.
Ein Pferd, dass sein Leben lang aus Bodenhöhe frisst, wird nicht die typischen, im Alter immer flacher werdenden Schneidezähne entwickeln. Es wird wesetnlich länger das Gebiss eines neun bis zwölfjährigen Pferdes behalten, so, wie es von Natur aus vorgesehen ist.
Eine gute Möglichkeit der Nährstoffgabe ist auch das Füttern von Keimen ("Sprossen"). Empfehlenswert sind zum Beispiel gekeimter Hafer und Alfalfasprossen, die etwa 2-4 Tage in einem Keimgerät o.Ä. zum anwachsen gebracht wurden, um dann direkt und frisch verfüttert werden können.
Sprossen enthalten ein vielfaches mehr an direkt verwendbaren Mineralstoffen und Spurenelementen für das Pferd, weshalb ihm mitunter mit einem "Händchen voll Keimen" mehr gegeben ist, als mit einem hoch vollen Futtereimer. Sprossen können ebenfalls bei schwerfuttrigen Pferden allgemein unterstützend wirken, sowie in besonderen Stressphasen oder bei Pferden, die aus welchen Gründen auch immer wieder aufgebaut werde müssen.
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